Der BuchBlog, auf dem Romanheldinnen über 60 im Mittelpunkt stehen

Zwischen Föhr und Manhattan – „Das Licht in den Wellen“ von Janne Mommsen (Band 1 der Gezeiten-Reihe)

In „Das Licht in den Wellen“ von Janne Mommsen führt eine besondere Reise von der Nordseeinsel Föhr bis nach New York City. Im Mittelpunkt stehen die fast 100jährige Inge Martensen und ihre Urenkelin Swantje, die sich gemeinsam auf die Suche nach Antworten, Erinnerungen und neuen Lebenswegen begeben. Der Roman ist der Auftakt der Gezeiten-Reihe und verbindet eine Familiengeschichte mit Inselatmosphäre und Fernweh.

Der Roman „Das Licht in den Wellen“ von Janne Mommsen, veröffentlicht bei Rowohlt Verlag, ist in den Formaten EBook, gebundenes Buch und Hörbuch in allen Buchhandlungen erhältlich sowie online z.B. bei Amazon.

Ich habe die EBook-Version gelesen.

Inhalt

Kurz vor ihrem 100. Geburtstag reist Inge Martensen gemeinsam mit ihrer Urenkelin Swantje von Föhr nach New York. Für Inge ist diese Reise weit mehr als ein Ausflug. Sie möchte sich mit ihrer Vergangenheit versöhnen und an einen Ort zurückkehren, der in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt hat.
Auch Swantje befindet sich an einem Wendepunkt. Sie ist auf der Suche nach ihrem eigenen Weg und weiß noch nicht genau, wohin ihr Leben sie führen soll. Die Reise mit ihrer Urgroßmutter wird deshalb auch für sie zu einer Reise der Orientierung und Selbstfindung.

Während der Überfahrt erzählt Inge aus ihrem bewegten Leben. Ihre Erinnerungen führen zurück in die Zeit ihrer Auswanderung und in die Jahre, die sie zwischen Föhr und Manhattan verbracht hat. Dabei kommen außergewöhnliche Begegnungen und besondere Erlebnisse zur Sprache. Ihr berühmter „magic potato salad“ und eine außergewöhnliche Begegnung mit John F. Kennedy spielen dabei eine wichtige Rolle..

Je mehr Inge erzählt, desto mehr beginnt Swantje, ihre Urgroßmutter nicht nur als alte Frau, sondern als junge, abenteuerlustige und entscheidungsfreudige Persönlichkeit zu sehen.

Zwei Frauen, zwei Generationen

Inge Martensen

Inge ist kurz vor ihrem 100. Geburtstag und blickt auf ein langes und ereignisreiches Leben zurück, das von Aufbruch, Verlust, Mut und Neuanfang geprägt ist. Ihre Geschichte zeigt, dass ein hohes Alter nicht bedeutet, dass ein Leben abgeschlossen und unveränderlich ist. Inge trägt ihre Vergangenheit mit sich, setzt sich aber aktiv mit ihr auseinander. Ihre Reise nach New York ist ein Versuch, offene Fragen zu klären und Frieden mit früheren Entscheidungen zu finden.

Swantje

Swantje steht am Anfang ihres eigenen Erwachsenenlebens. Im Gegensatz zu ihrer Urgroßmutter Inge muss sie ihren Weg erst noch finden. Die gemeinsame Reise bietet ihr die Möglichkeit, die Familiengeschichte kennenzulernen und daraus Orientierung für ihr eigenes Leben zu gewinnen.

Die Beziehung zwischen den beiden Frauen ist eine der besonderen Stärken des Romans. Sie lernen einander neu kennen und entdecken, dass sie trotz des großen Altersunterschieds mehr verbindet, als zunächst sichtbar ist.

Zentrale Themen

Generationen und Familiengeschichte

Der Roman zeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen den Generationen sein kann. Inge gibt ihre Erinnerungen weiter, während Swantje mit ihrer Neugier und ihren Fragen einen neuen Blick auf die Vergangenheit ermöglicht.

Dabei wird deutlich: Familiengeschichte besteht nicht nur aus Jahreszahlen und Ereignissen. Sie lebt von Erzählungen, persönlichen Entscheidungen, Zufällen und den Gefühlen der Menschen, die sie erlebt haben.

Lebenswege und Neuanfänge

Inge und Swantje befinden sich an unterschiedlichen Punkten ihres Lebens, stehen aber beide vor wichtigen Fragen. Inge möchte zurückblicken und abschließen, Swantje nach vorn schauen und ihren Weg finden.

Gerade diese Verbindung macht den Roman interessant: Er erzählt davon, dass Rückblick und Aufbruch keine Gegensätze sein müssen. Auch im hohen Alter können Entscheidungen getroffen, Beziehungen neu betrachtet und alte Wunden geheilt werden.

Reisen zwischen zwei Welten

Föhr und New York könnten kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite steht die vertraute Nordseeinsel mit ihrer Ruhe, ihren Traditionen und ihrer überschaubaren Gemeinschaft. Auf der anderen Seite liegt Manhattan in New York: groß, schnell, aufregend und voller Möglichkeiten. Diese beiden Orte spiegeln die Lebenswelten der Figuren wider. Föhr steht für Herkunft und Verwurzelung, New York für Aufbruch, Freiheit und Veränderung.

Atmosphäre und Besonderheiten

Janne Mommsen verbindet in diesem Roman norddeutsches Inselflair mit dem Zauber New Yorks. Die Überfahrt über das Meer bildet dabei den erzählerischen Rahmen: Während das Schiff unterwegs ist, öffnet sich auch Inges Erinnerung immer weiter. Der „magic potato salad“ und die Begegnung mit John F. Kennedy verleihen ihrer Lebensgeschichte eine besondere Farbe. Inge erscheint nicht nur als Zeitzeugin, sondern als Frau, die in ihrem langen Leben viel gewagt und erlebt hat.

Die Geschichte lebt außerdem von der Frage, was wir von unseren Vorfahren wissen und was vielleicht jahrzehntelang unausgesprochen geblieben ist.

Schreibstil und Lesbarkeit

Janne Mommsen schreibt anschaulich, warmherzig und leicht zugänglich. Die Sprache ist unterhaltsam. Die wechselnden Orte und Rückblicke sorgen für Abwechslung. Gleichzeitig nimmt sich der Roman viel Zeit für Inges Erinnerungen und die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Frauen.

Lesbarkeit: leicht
Schreibstil: unterhaltsam, bildhaft, emotional und lebensnah

Mein persönlicher Eindruck

Die Ausgangsidee von „Das Licht in den Wellen“ hat mich sofort angesprochen: Eine fast 100jährige Frau reist mit ihrer Urenkelin nach New York, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und der jungen Frau dabei zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Diese Verbindung aus Familiengeschichte, Reise und Generationenaustausch ist ungewöhnlich und bietet viel Raum für emotionale Momente.
Besonders gefallen hat mir Inge als Buchheldin. Sie ist eine Frau, die auf ein langes Leben zurückblickt, aber keineswegs auf ihre Vergangenheit reduziert wird. Ihre Erlebnisse zeigen, wie viele Möglichkeiten, Entscheidungen und Abenteuer auch hinter einem scheinbar ruhigen Leben stecken können.
Die Beziehung zwischen Inge und Swantje empfand ich als berührend. Beide Frauen können voneinander lernen: Swantje erhält Einblicke in die Geschichte ihrer Familie, während Inge durch ihre Urenkelin spürt, dass ihre Erfahrungen auch für die nächste Generation Bedeutung haben.

Allerdings war mir die Geschichte stellenweise etwas langatmig. Manche Rückblicke und Erzählpassagen hätten für meinen Geschmack kürzer ausfallen dürfen. Dennoch hat mich der Roman insgesamt gut unterhalten. Die Reise zwischen Föhr und New York, die ungewöhnliche Familiengeschichte und die lebenskluge Inge machen das Buch zu einer passenden Lektüre für alle, die Geschichten über Generationen, Erinnerungen und späte Lebenswege mögen.

Mein Fazit

„Das Licht in den Wellen“ ist ein warmherziger Unterhaltungsroman über Familie, Herkunft, Auswanderung und die besondere Verbindung zwischen einer Urgroßmutter und ihrer Urenkelin. Der Roman zeigt, dass Menschen aus unterschiedlichen Generationen einander wichtige Wegweiser sein können.

Die Geschichte hat eine spannende Ausgangsidee, eine außergewöhnliche Hauptfigur und reizvolle Schauplätze. Auch wenn sie stellenweise etwas ausführlicher erzählt ist, bietet sie viele emotionale und unterhaltsame Momente.

Fortsetzung

Wer wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, kann anschließend zu „Das Salz in der Luft“, dem zweiten Band der Gezeiten-Reihe, greifen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert