Der BuchBlog, auf dem Romanheldinnen über 60 im Mittelpunkt stehen

Stolz, Erinnerung und Versöhnung – „Der steinerne Engel“ von Margaret Laurence

Kanadische Literatur ist oft geprägt von Weite, Natur und starken Frauenfiguren. Margaret Laurences Roman „Der steinerne Engel“ (Original: „The Stone Angel“) zählt zu den großen Klassikern des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich um das vielschichtige Porträt einer alten Frau, die auf ihr bewegtes Leben zurückblickt und dabei mit Stolz, Schmerz und Sehnsucht ringt.

Buchtitel: Der Steinerne Engel (deutsch), Taschenbuchausgabe 2021, Julia Eisele Verlags GmbH
Originalausgabe: „The Stone Angel“, 1964, McClelland & Stewart, Toronto
Autorin: Margaret Laurence

Hier kannst du das Buch bestellen:
In jeder lokalen Buchhandlung wird man dir gerne beim Bestellen behilflich sein. Vielleicht wirst du auch in öffentlichen Büchereien fündig.
Online kannst du z.B. hier bestellen:
Amazon


Kurze Inhaltsangabe
Im Mittelpunkt des Romans steht Hagar Shipley, 90 Jahre alt, stur und voller Lebenswillen. Als ihr Sohn Marvin sie ins Pflegeheim bringen will, flieht sie kurzerhand und begibt sich auf eine letzte Reise, die sie nicht nur durch die kanadische Prärie, sondern vor allem durch die Erinnerungen an ihr eigenes Leben führt. In Rückblenden entfaltet sich Hagars Geschichte: Ihre Kindheit als Tochter eines strengen Ladenbesitzers, die unglückliche Ehe mit Bram Shipley, der Bruch mit ihrer Familie, die Verluste und Enttäuschungen und ihr unerschütterlicher Stolz, der sie oft von anderen trennt.


Hauptfiguren und Motive

  • Hagar Shipley:
    Eine der eindrucksvollsten Frauenfiguren in einem Roman, die ich bislang kennengelernt habe. Stolz, eigenwillig, oft hart zu sich und anderen, aber auch zutiefst verletzlich. Ihr innerer Kampf zwischen Kontrolle und Sehnsucht nach Nähe zieht sich durch den ganzen Roman.
  • Marvin Shipley:
    Ihr ältester Sohn, loyal, aber von Hagar oft unterschätzt und verletzt. Verkörpert Pflichtbewusstsein und das schwierige Verhältnis zwischen Eltern und Kindern.
  • Das Motiv des steinernen Engels:
    Die Statue auf dem Grab von Hagars Mutter steht sinnbildlich für Hagars Unbeugsamkeit, aber auch für ihre emotionale Kälte und Isolation. Immer wieder wird der Engel als Symbol für Erinnerung, Trauer und das Verharren in alten Mustern aufgegriffen.

Zitat aus dem Buch:
„Ich war nie eine, die leicht Tränen vergoss, aber manchmal, wenn niemand hinsah, konnte ich weinen wie ein Kind.“ -Hagar





Literarischer und historischer Kontext
„Der steinerne Engel“ erschien 1964 und gilt als eines der wichtigsten Werke des kanadischen Realismus. Margaret Laurence beschreibt nicht nur das Leben einer Frau, sondern auch den Wandel der kanadischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert: Stadt und Land, Tradition und Moderne, Rollenbilder und Generationenkonflikte. Stilistisch überzeugt der Roman durch seine dichte, bildhafte Sprache und den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, der Hagars Erinnerungen lebendig werden lässt.


Lesbarkeit und Schreibstil
Der Roman ist anspruchsvoll, aber lohnend zu lesen. Margaret Laurence schreibt bildhaft, atmosphärisch dicht und psychologisch tiefgründig. Die Sprache ist kunstvoll, manchmal poetisch, und verlangt Aufmerksamkeit, belohnt aber mit emotionaler Tiefe und eindrucksvollen Bildern. Die wechselnden Zeitebenen und die nach innen gerichtete Erzählweise machen den Roman zu einem intensiven Erlebnis.


Persönliche Bewertung
Mich hat „Der steinerne Engel“ tief bewegt und beeindruckt. Hagar ist keine einfache Heldin. Sie ist oft sperrig, manchmal unsympathisch, aber immer authentisch. Gerade ihre Schwächen machen sie so menschlich. Die Rückblenden gefallen mir großartig, die Atmosphäre ist mal rau, mal zart melancholisch. Laurence gelingt es, große Themen wie Stolz, Reue, Familie und Vergebung in leisen, aber kraftvollen Bildern zu erzählen. Ein Roman, der nachhallt und zum Nachdenken über das eigene Leben anregt.


Empfehlung
„Der steinerne Engel“ ist für alle, die sich auf eine tiefgründige, vielschichtige Frauenfigur einlassen möchten. Wer kanadische Literatur, Familiengeschichten und psychologische Porträts schätzt, sollte dieses Buch unbedingt lesen.


Tipp:
Solche Klassiker lohnen sich auch für Leserunden . Die Themen bieten viel Gesprächsstoff über Generationen hinweg.


Hier kannst du das Buch bestellen:
In jeder lokalen Buchhandlung wird man dir gerne beim Bestellen behilflich sein. Vielleicht wirst du auch in öffentlichen Büchereien fündig.
Online kannst du z.B. hier bestellen:
Amazon


Frage an die Leser*innen:
Kennst du weitere Romane mit starken älteren Heldinnen? Welche Bücher haben dich besonders berührt? Teile deine Empfehlungen gern in den Kommentaren!


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert